Paris-Berlin. Eine deutsch-französische Erfolgsgeschichte

Was mit einer „Schnapsidee“ begonnen hat ist mit vollem Erfolg zu Ende gegangen. So viel vorneweg: Alle Teilnehmer sind gesund und munter in Berlin angekommen und hatten in den 14 Tagen viel Spaß. (Bericht und Fotos: Verena Schütz)



Das Wetter hat sich von seiner besten Seite gezeigt, so dass wir nur einen Tag Regen hatten und den ausgerechnet auf der Fahrt durch das Saarland – schade. Insgesamt hat jede Schülerinnen und jeder Schüler 1560 km mit 11800 hm zurückgelegt. Eine beachtliche Leistung. 
 
Es ist Freitagmorgen, die saarländischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 14-tägigen Tour von Paris nach Berlin treffen sich bei Peugeot in Saarbrücken. Unter ihnen die beiden BIKE AID Fahrerinnen Hanna Neumeyer (13 Jahre) und Verena Schütz. Fahrräder und Gepäck werden in die Autos verladen und los geht es nach Paris. Alle sind auf das bevorstehende Abenteuer gespannt. Erste Kontakte zwischen den saarländischen Teilnehmern werden bereits auf der Fahrt geknüpft. Kurz vor Paris gesellen sich die teilnehmenden Franzosen dazu und in Paris treffen wir auf die Schülerinnen und Schüler aus Rheinland Pfalz. 
 
Samstag, 29.06.2013 Paris - Reims (43 km)
Der offizielle Startschuss fällt am nächsten Morgen vor der deutschen Botschaft in Paris. Von dort aus radeln wir gemeinsam mit der Botschafterin zum Eifelturm und dann beginnt unsere Reise. Wegen des starken Verkehrs in Paris müssen wir an dieser Stelle etwas „mogeln“: Wir fahren mit unseren Bussen raus aus Paris. So werden aus den geplanten 150 km nur ca. 50 km durch die Weinberge der Champagne nach Reims. Beim anschließenden Empfang im Prunksaal der Stadt darf jeder den berühmten Champagner probieren. 
 
Sonntag, 30.06.2013 Reims – Verdun (138 km)
Ab jetzt wird nicht mehr gemogelt und alle Kilometer müssen ehrlich (er)fahren werden. Bei dieser langen Tour über viele französische Dörfer zeigt sich schnell ein tolles „Miteinander“ der Schülerinnen und Schüler. Es wird gegenseitig motiviert und zur Not auch mal helfend angepackt, so dass alle Verdun erreichen. 
 
Montag, 01.07.2013 Verdun – Mersch (118 km)
Heute stehen nicht nur drei Länder (Frankreich, Belgien, Luxemburg) auf dem Programm, sondern auch das Treffen mit der „FairplayTour“. Im Gegensatz zu unserer Tour findet diese jährlich in der Großregion statt und besteht aus 300!!! Teilnehmern. Für die nächsten vier Tage schließen wir uns dieser Gruppe an und begleiten sie auf ihrer Reise durch Frankreich und Deutschland. Wegen der Gruppengröße wird ab jetzt auch nicht mehr in Jugendherbergen oder Hostels übernachtet, sondern gemeinsam in einer Turnhalle. Dass das nicht so schlimm ist wie es sich anhört, merkt man spätestens bei dem tollen Abendessen mit BBQ und Salatbuffet und der super Stimmung danach auf dem gesamten Schulgelände. 
 
Dienstag, 02.07.2013 Mersch – Metz (130 km)
Die erste Etappe mit 350 Radfahrern ist ein echtes Erlebnis. Es wird trotz der Vielzahl der Teilnehmer diszipliniert und dank einem ausgeklügelten System mit so genannten „Überholern“, die die Kreuzungen für den Rest der Truppe sichern, flüssig gefahren. Das Fahren geht auf einmal wie von selbst. Unsere Route geht heute von Mersch über Schengen nach Metz. 
 
Mittwoch, 03.07.2013 Metz – Saarbrücken (95 km)
Ausgerechnet heute, wenn es in die Heimat geht, regnet es. Bis hierhin waren wir sonnenverwöhnt, manche sogar der Sonne schon überdrüssig mit Sonnenbrand auf den Waden, den Armen oder dem Nacken. Trotz sehr schlechter Wetterprognosen hat der Regen ein Einsehen mit uns und begleitet uns nur ein kurzes Stück. Gut gelaunt treffen wir in Überherrn ein. Spätestens beim anschließenden Empfang in Saarbrücken, zu dem die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und die Sportministerin Frau Monika Bachmann anwesend sind, sind alles Regentropfen vergessen. Nach einem tollen Abendessen mit Salat- und Nudelbuffet an der Sportschule des Saarlandes ist dann auch der einzige Regentag der Tour Geschichte. 
 
Donnerstag, 04.07.2013 Saarbrücken – Ottweiler (78 km)
An diesem Tag geht es von Ottweiler aus zuerst in die radfahrbegeisterte Stadt St. Wendel. Schon am frühen Morgen werden wir vom Bürgermeister Klaus Bouillon der Stadt gebührend empfangen. Frisch gestärkt geht es weiter nach Ottweiler, wo uns ebenfalls ein herzliches Willkommen erwartet. Die Teilnehmer der Fairplay Tour aus Ottweiler werden von ihren Klassenkameraden und ihrer Schulleiterin Frau Spurk begrüßt und bekommen schon einen Tag vor allen anderen die Zeugnisse. Frau Spurk hat es sich nicht nehmen lassen und ist in den letzten beiden Tagen selbst in die Pedale getreten und hat uns begleitet. Super! Auch heute gibt es wieder leckeres Essen in Form von verschiedenen Pastavariationen und sogar Eis als Nachtisch.
 
Freitag, 05.07.2013 Ottweiler – Traben-Trarbach (92 km)
Heute wird es hügelig: es gilt den Erbeskopf zu überwinden. Normalerweise kennen wir den nur von dem gleichnamigen Marathon. Bei gutem Wetter machen wir uns mit vereinten Kräften an den Anstieg des mit 816 m ü NN liegenden höchsten Berg im Hunsrück. Oben genießen wir die Aussicht und bewundern die neue Aussichtsplattform. Gut erholt geht es auf der anderen Seite eine tolle Abfahrt durch den Wald wieder nach unten. Schnell nähern wir uns unserem Ziel Traben-Trabach und werden schon Kilometer vorher durch Plakate und klatschende Menschen vor den Häusern Willkommen geheißen. Die Begeisterung, die in dieser Stadt herrscht, kommt davon, dass viele Teilnehmer der Fairplay Tour von dort stammen. Am Moselufer angekommen, erwartet uns ein gigantisches Kuchenbuffet (alles selbstgebacken!!!), eine Band, die den ganzen Abend für gute Laune sorgt, ein tolles Abendessen im Freien am Moselufer und zum Nachtisch frisch gemachter Kaiserschmarrn.
 
Samstag, 06.07.2013 Traben-Trabach – Wiesbaden (123 km)
Heute heißt es Abschied nehmen. Die Fairplay Tour geht auf ihre letzte Etappe nach Trier und wir setzen unsere Reise Richtung Berlin alleine fort. Bevor wir uns trennen, werden die Fahrräder von dem Vater einer Teilnehmerin der Paris-Berlin Tour gesegnet und allen eine gute Fahrt gewünscht und dann sind wir auf einmal wieder „nur“ noch 45 Radler. Wir fahren Richtung Rhein, müssen auch einmal die Fähre benutzen und erreichen so Wiesbaden. Hier werden wir vom frisch gewählten Oberbürgermeister Sven Gerich zu einem BBQ erwartet. Auch hier lassen wir den Abend gemütlich im Freien ausklingen, bevor es endlich wieder richtige Betten zum Übernachten gibt. Aber die meisten haben sich nach 5 Tagen in Turnhallen schon daran gewöhnt, oder?
 
Sonntag, 07.07.2013 Wiesbaden – Fulda (162 km)
Die nächsten drei Etappen haben eines gemeinsam: sie sind lang. Die Kilometerzahlen sprechen für sich. Aber auch das meistern wir in unserem eingespielten Team mittlerweile mit Links. Bei der Fahrt durch Frankfurt erwarten uns viele Zuschauer am Mainufer. Wie wir feststellen sind sie aber nicht wegen uns gekommen, sondern wegen dem an diesem Tag stattfindenden „Iron Man“. Applaus bekommen wir aber trotzdem und die Kilometer eines Langdistanz Triathlons haben wir am Ende des Tages auch fast erreicht.
 
Montag, 08.07.2013 Fulda – Erfurt (155 km)
Zu den vielen Kilometern kommen heute noch eine ganze Menge Höhenmeter auf uns zu. Es geht über den Rennsteig durch den Thüringer Wald. Belohnt werden wir mit einem typisch thüringischen Buffet, das keine Wünsche offen lässt. Diejenigen, die immer noch nicht müde sind, besichtigen anschließend noch die Hauptstadt von Thüringen.
 
Dienstag, 09.07.2013 Erfurt – Leipzig (156km)
Die letzte richtig lange Etappe steht uns bevor, aber der Weg lohnt sich. In der Nähe von Leipzig übernachten wir im Freizeit- und Bildungszentrum Grillensee. Wie der Name schon sagt, liegt das Haus an einem See, der unter den Teilnehmern großen Anklang findet. Es wird nach dem Radeln, vor dem Essen, nach dem Essen und sogar vor dem Frühstück geplanscht und geschwommen. Ein wenig überrascht sind wir von der dortigen Freizügigkeit. Leider fühlen nicht nur wir uns am und im Wasser wohl, sondern auch die Stechmücken…so ist das Kratzen an sämtlichen Stellen des Körpers eine Geste, die uns die nächsten beiden Tage begleitet.
 
Mittwoch, 10.07.2013 Leipzig – Wittenberg (100km)
Heute „nur“ 100 km. Zu Beginn der Fahrt war vielen nicht einmal klar, dass man so weit mit dem Rad fahren kann. Aber die Erfahrungen der letzten 2 Wochen zeigen etwas anderes. Schnell kommen wir unserem Ziel, dem Marina-Camp Brückenkopf in der Lutherstadt Wittenberg näher. Von dem Hochwasser der Elbe sind noch viele Sandsäcke und gesperrte Straßen übrig geblieben. Trotzdem werden wir dort herzlich empfangen und bekommen sogar jeder ein T-Shirt mit einer lutherschen These als Gastgeschenk. Im Kellergewölbe des Hauses, wo wir uns zum Abendessen versammelt haben, bekommen wir dann noch hohen Besuch: Martin Luther persönlich begrüßt uns auf unserer langen Reise, erzählt uns etwas über sein Leben und die Geschichte der Stadt und wünscht uns eine gute Weiterfahrt. So geht auch dieser Abend zu Ende und wir nähern uns langsam aber sicher unserem Ziel.
 
Donnerstag, 11.07.2013 Wittenberg – Brandenburg (81 km)
Heute steht eine echte Mountainbikestrecke auf dem Programm. Es geht fast nur durch den Wald, was selbst für unsere Rennräder mittlerweile kein Problem mehr ist. In Brandenburg an der Havel erwartet uns endlich mal wieder eine Turnhalle zum Übernachten. Aber diesmal die Luxusvariante mit nur 50 statt 350 Personen und mit aufgestellten Feldbetten. Wir genießen den letzten gemeinsamen Abend ohne Rummel, lassen die Tour und die Erlebnisse noch mal Revue passieren und bereiten unsere Ankunft in Berlin vor.
 
Freitag, 12.07.2013 Brandenburg – Berlin (90 km)
Mit ortskundiger Führung geht es Richtung Berlin. Dank der Begleitung kommen wir in den Genuss durch den Schlosspark von Sanssouci in Potsdam zu radeln. Diese erlaubten Schleichwege muss man schon kennen, um sie zu finden. Es geht weiter über die berühmte Glienicker Brücke und dann passieren wir das lang ersehnte Ortsschild von Berlin. Vom ersten Ortsschild bis zur Stadtmitte sind es nur noch 35 km durch die Stadt. Und dann ist es so weit: mit wehender französischer und deutscher Flagge passieren wir das Brandenburger Tor, fahren über den Pariser Platz und werden von einer deutsch-französischen Delegation unter anderem mit der saarländischen Sportministerin Frau Bachmann vor der französischen Botschaft empfangen. Das Gefühl ist unbeschreiblich und die eine oder andere Träne wird vor Glück und Erleichterung vergossen.
 
WIR HABEN ES GEMEINSAM GESCHAFFT!
 
Jetzt schnell die Zimmer beziehen und dann geht es zur saarländischen Landesvertretung, wo uns eine rauschende Party zu unseren Ehren mit 300 Gästen erwartet. Wie es sich gehört, bekommen wir alle noch ein Finisher T-Shirt, eine Urkunde und eine prall gefüllte Sporttasche. Und wie soll es anders sein bei den Saarländern: es wird geschwenkt!
Bis spät in die Nacht feiern wir unsere Leistung und die Gemeinschaft mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn es heißt jetzt auch bald Abschied nehmen von den lieb gewonnenen Mitfahrern.
 
Samstag, 13.07.2013
Heute geht alles schnell. Der Bus wird beladen und macht sich auf in die Heimat. Ein unvergessliches Erlebnis geht für uns alle zu Ende. Wir haben gemeinsam gelacht, geschwitzt, gelitten, Spaß gehabt, sind die Berge und Abfahrten zusammen gefahren, haben alle im Regen gestanden (nur einmal) und wurden von der Sonne verwöhnt (fast die ganze Zeit). Es wurden Freundschaften geschlossen, Konflikte gelöst, Probleme bewältigt. Wir haben neue Städte kennen gelernt, haben die Natur erlebt und uns jeden Tag sportlich betätigt. Was will man mehr?