Nightride XXXL

Es war die zweite Auflage von "Wir biken durch, die ganze Nacht". Das ist uns dann auch bis auf wenige Ausnahmen gelungen.


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Mit Silke und Markus stehen gleich zwei absolute Neueinsteiger für diesen Nightride am Start.
Klaus, Andy, Patrick, Timo und David runden die Truppe auf, sodass wir mit 8 Mann/Frau auf die neu zusammengestellte Runde  die zunächst alle Trails um den Wildpark und dann weiter zwischen Püttlingen und Saarwellingen aneinanderreiht, gehen können. Mit 45 km und 800 hm ist diese Trailorgel gleichzeitig der abwechslungsreichste und auch schwierigste Teil der Tour. Silke und Markus haben sich sehr schnell an das neue Bikefeeling gewöhnt und nutzen die kurzen Pausen zum daddlen mit ihren permanent bimmelnden Smartphones. Das Gemaule über den phasenweise schlechten Strreckenzustand haben wir mal wieder einer Waldkampfarmada zu verdanken die hier ihr Unwesen getrieben hat. Timo mault auch noch über seinen neuen Sattel. Später in der Nacht sollten uns noch andere Dinge beschäftigen. So kommen wir bereits mit etwa einer Stunde Verspätung um 1:00 an der freundlicherweise von Caro und David in ihrer Garage eingerichteten Verpflegungsstelle in Beaumarais an. Natürlich wartet dort nicht nur alkoholfreies Weizen und Cola, sondern auch Riegel, Nussecken, Dauerwurst und Käse und alles was uns wieder auf Trapp bringt. Markus muss uns leider wieder verlassen und David kann der Versuchung der warmen Bettdecke absolut nicht wiederstehen. Nur für Silke braucht es überhaupt keine Überredungskünste um die Fahrt mit uns fortzusetzen.
Sie strahlt über beide Ohren.
Da sie die Einzige ist die den Weg zur Teufelsburg kennt folgen wir ihr unauffällig über die flachen Felder. Die dicht behängten verlockenden Pflaumenbäume lassen wir unberührt stehen. Die Mischung mit Weizenbier und Cola hat doch zuviel Bauchwehpotential. Bauchweh auch beim Anblick den Kirchenberg hinauf den wir gleich hochmüssen. Schön eingängig steil, immer jenseits der 20% ohne Nachlass überwindet die Strasse die 120hm bis hoch nach Felsberg.
Die Backsteinbremsen an den Autos scheinen duchaus berechtigt. Stille und herrliche Aussicht dann an der Teufelsburg. Wir geniessen es ohne Zeitdruck durch die Nacht zu ziehen. Es ist 2:00 und unten fallen sie reihenweise aus den Kneipen der Altstadt und uns fällt noch nicht mal der Gedanke ans Aufhören ein. Silkes eigens für den Nightride beschafftes Licht macht schlapp, und eine Ersatzlampe aus dem Koffer des Lampendoktors sorgt für Abhilfe. Die Abfahrt hinunter an den Fuss der Burg macht immer wieder viel Spass und unten angekommen fangen die Orientierungsprobleme an. Wir irren durch die Wälder immer hin und hergezerrt zwischen Bikerinstinkt und OSM Karte, finden Wege die nur anfangs vielversprechend sind und sich dann aber sehr schnell als Sackgassen entpuppen. Wir schieben und stossen durch lenkerhohes Farn um dann wieder um einen umgefallenen Baum zu manövrieren.
Als es uns dann doch gelingt einen halbwegs passablen Weg nach oben zu finden ist dieser so dicht bewachsen, dass an fahren nicht mehr zu denken ist. Die Zecken haben unsere vorbeiziehenden Waden glücklicherweise nicht bemerkt.
Oben angekommen sorgt Timo nicht nur für den ersten Plattfuss der Nacht sondern auch gleich noch für einen Interruptus bei zwei Liebespärchen die wir in Ihrem sicher geglaubten Versteck aufschrecken.
Auf der Suche nach dem nächsten Trail runter ins Tal irren wir wieder am Waldrand vorbei. Auch Patricks Navi kann uns hier wenig helfen. Schließlich schaffen wir es doch noch den Einstieg zu finden, da beginnt Timo`s Hinterrad erneut luftlahm zu eiern.
Silke zieht einen muffin-verzierten Schlauch aus dem Rucksack. Der Muffin ist nicht mehr essbar und der Schlauch wandert in Timos Mantel. Ohne weitere Defekte kommen wir runter ins Tal.
Genug der Trails. Langsam bekommen wir wieder Hunger. So stehen wir um 4:00 vor einem angeblichen 24h Restaurant in Lisdorf und trauen unseren Augen nicht. Türen verschlossen und Stühle hochgestellt. Mit dem gleichen Ergebnis drücken wir uns eine halbe Stunde später auch in Bous die Nase platt und der Duft von frischen Backwaren in den Strassen von Bous machen das Ganze nur noch schlimmer. Auch unser nächster Versuch um 5:00 in Völklingen geht komplett in die Hose. Die langen Gesichter sprechen eine eindeutige Sprache. Bleibt nur noch die Bäckerei in Püttlingen die hoffentlich um 6:00 aufmacht. Da wir aber noch viel zu früh sind gönnt uns auch Andy auf dem Weg dort hin noch eine Plattfusspause auf dem Köllertalradweg und um Punkt 6:00 steht die Mannschaft ausgehungert an der Theke der Bäckereifachverkäuferin, die sich wohl denkt. Das sind Biker die vor Ihrer Tour noch was frühstücken kommen. Nix besonderes also. Als sie die Wahrheit erfährt dauert es fast 2 Minuten bis ihre Lippen wieder zusammenschnappen. Ausgiebig gefrühstückt kurbeln wir alle nach Hause. Eine spannende Nacht auf dem Bike mit fast 100km und 1800hm ist vorbei. Bleibt noch ein Wort zu Silke, die uns alle mehr als erstaunt hat. Respekt, das machen nicht viele Frauen mit, vor allem wenn sie erst 4 Monate auf dem Bike sitzen.
Willkommen im Club.

See you in the dark
Martin