ALPENCROSS 1999: Oberstdorf - Riva (453km, 11.100hm, *****)

Leider haben wir dazu noch keine digitalen Fotos, dafür aber ein paar ältere eingescannte Papierfotos und einen Reisebericht von damals. Viel Spaß mit diesem historischen Dokument!

Reisebericht Alp(en)traum 1999 von Oberstdorf nach Riva

Teilnehmer:
Uli Geber, 33 - Bike: KHS-Team
Wolfgang Schäfer, 40 - Bike: KHS-Team
Micky Remmel, 35 - Bike: KHS-Team
Thomas Stein, 33 - Bike: Cannondale F700 SL
Joe Klein, 43 - Bike: Klein Pulse
Eric Haus, 39 - Bike: Cannondale F700 SL

Ziel der Reise:
Jede Menge Spaß und Alpenüberquerung mit dem Mountainbike in Nord-Süd Richtung unter Einbeziehung der deutschen, österreichischen, schweizerischen und italienischen Alpen.

zurückgelegte Kilometer: 453 in 6 Tagen
zurückgelegte Höhenmeter: 11.100 in 5 Tagen
Pannen: 1 Plattfuß, 2 Kettenrisse
Stürze: 6, ohne ernstere Folgen, 1 Aufschlag auf Fels, der dank Helm aber ohne Folgen blieb.
Brennstoff pro Teilnehmer: ca. 40l Wasser und 50 Mineraltabletten, 20 Energieriegel, 20 halbe Weizenbier und Radler (abends), 15-20 Portionen Pasta.

Reisebericht:
Abfahrt in um 2.00 nachts Richtung Oberstdorf in einem vollbepackten 7 sitzigen Kleinbus. Joe, der ohnehin schon die Nacht durchgemacht hatte fährt die gesamte Strecke und bringt uns sicher gegen 8.30 an den Ausgangspunkt der Tour nach Oberstdorf. Wir montieren die teilweise völlig zerlegten Bikes, checken persönliche Ausrüstung und Rucksäcke und machen und in bester Laune bereit zur Abfahrt Richtung Schrofenpass mit 9kg Gepäck auf dem Rücken. Jens Remlinger, unser Fahrer macht sich mit dem Bus wieder auf in Richtung Saarland.

Tag 1:
8.30 Start auf 560m Höhe in Oberstdorf 9° Außentemperatur feucht, bedeckter Himmel Nach 50 Metern bereits der erste Zwischenfall: starke Krämpfe in beiden Oberschenkel zwingen mich zum Absteigen. Eine Weiterfahrt ist erst nach 2 Stunden möglich. Die Beine müssen massiert werden und 4 Radhosen müssen übereinander getragen werden. So isses halt wenn man nach über 4000 Trainingskilometern zum erstenmal ins feuchte Allgäu kommt. Wir fahren an der Rosanna entlang zum Schrofenpass auf knapp 2000 m Höhe. Die teilweise brutalen Steigungen auf losem Schotter zwingen die ersten von uns zum Absteigen. Nach 1 Stunde Schieben, Tragen und Wuchten der Bikes erreichen wir über schwindelerregnde Pfade den Schrofenpass. Thomas macht schon auf den ersten Metern der Schiebestrecke sein verletzter Fuß zu schaffen. Die Stimmung wird schlechter - wir liegen 3h hinter dem Zeitplan und an Fahren ist nicht zu denken. Die Abfahrt vom Schrofenpass Richtung Warth-Lech, in der Tourenbeschriebung als Downhill charakterisiert gerät zur Schlammschlacht. Tagelange Regenfälle haben den Almboden derart durchweicht, daß wir sogar bergrunter schieben müssen. Kaum vorstellbar - aber dort sind sogar Leute unterwegs, die ihre Rennräder über den Paß getragen haben. Nach 2 Stunden erreichen wirdie Strecke Lech-Warth und kommen zügig auf der Strasse voran. Wir überqueren Flexenpaß und Arlbergpaß bei ca. 25° und Sonneschein. Bis zur ersten Spaghettipause in St. Anton a. Arlberg steht nur noch die Abfahrt vom Paß an. Böses Erwachen als ich mit über 40km/h in den unbeleuchteten Tunnel einfahre: meine Brille ist so dunkel, daß ich nichts mehr sehe - Totale Sonnenfinsternis. Eine Vollbremsung gerät zur Schlingerpartie, denn im Tunnel wird asphaltiert und die Strasse ist vollgefräst mit Längsrillen. Ich schiebe durch den Tunnel und dann lassen wir es nach St. Anton krachen - 18km in weniger als 30 Minuten. Gestärkt mit Spaghetti fahren wir unser ersten Nachtlager an: die Konstanzer Hütte in 1900 Meter Höhe. In sagenhafter Lage ist die neue erbaute Hütte des Alpenvereins ein echtes Highlight in den Alpen. Im Lager verbringen wir eine ruhige Nacht, die nur durch Schnarch- und ähnliche Körpergeräusche gestört wird.

Tag 2:
8.15 Abfahrt auf 1688m Höhe von der Konstanzer Hütte im Verwallgebirge 4° Aussentemperatur, strahlender Sonnenschein Über teilweise 5 Meter hohe Lawinenfelder erreichen wir die neue Heilbronner Hütte - es ist warm und trocken. Unsere Schuhe und Socken müssen getrocknet werden, denn das überqueren der Schneefelder hat uns einen Satz nasse Füsse verpasst. Der Kopsstausee, der uns zu Füssen liegt begeistert Tom so sehr, daß er für einen Moment den felsigen Trialpfad aus den Augen verliert und schwer stürzt - der Helm hält und hat seitdem einen Einschlag mehr. Über das Zeinisjoch erreichen wir das von Lawinen verwüstete Galtür. Reste der grossen Lawinen sind überall noch zu sehen. Der Paznaun-Radwanderweg bringt uns schnell über Mathon nach Ischgl wo unsere Mittagsportion Paste auf uns wartet. Entlang der Fimbabahn stehen uns nun etwa 1200 HM zur Heidelberger Hütte bevor - die Strecke läßt sich auf breiten teils steilen Schotterwegen wunderbar bewältigen. Wir bestaunen die völlig krummen Decken und werden verwöhnt mit einer Riesen-Gemeinschaftspfanne mit Rösti und danach mit einer ebensolchen Pfanne mit Kaiserschmarren.

Tag 3:
8.00 Abfahrt auf 2246m Höhe von der Heidelberger Hütte im Paznauntal 7° Aussentemperatur, leicht bedeckter Himmel Zunächst eine Schiebestrecke von ca. 400 HM bis wir den Fimberpaß erreichen - dann werden wir mit einen wunderschönen und landschaftlich grandiosen Abfahrt ins Unterengadin belohnt. Wir machen kurz vor Vnà einen Abstecher zum Hof Zuort und stellen fest, daß das Leben in der Schweiz einfach etwas teurer ist. Entgegen dem Rat des Wirtes und unter Inkaufnahme einer saftigen Geldstrafe biegen wir in den SingleTrail zum Val Sinestra ein. Es hat sich gelohnt: die Passegen werden lediglich unterbrochen von einigen Erdrutschen, die wir zu Fuß überqueren müssen. Vom Val Sinestra geht es über Sent und Sur En zum Einstieg ins Val d`Uina. So schnell waren wir noch nie oben - die ersten 700 HM bis Uina Dadaint dauern nur wenig länger als eine Stunde. Die Berwertung geht an Uli - der sich nach seiner Hausbau-Pause eindrucksvoll am Berg zurückmeldet. Nach einer kleinen Pause auf der Uina Dadaint klettern wir durch eine der eindrucksvollsten Schluchten der Alpen zu unserem Nachtqurtier - der Sesvenna Hütte. Ein erstes Weizen in der warmen Abensonne und Erfahrungsaustausch mit anderen Bikern lassen uns die Strapazen schnell vergessen. Das Abendessen ist auch ok: Suppe, Spaghetti und zum Abschluß noch ein StückFleisch von undefinierbarer Herkunft. In einer anderen Gruppe macht sich Hektik breit: ein Defektan einem vollgefederten Bike - und zur reparatur benötigt man dringend einen Kurbelabzieher. Dieses Gerät ist in 2600 m Höhe eher selten. Unser Mechaniker Uli schafft das natürlich auch ohne Abzieher - alles staunt.

Tag 4:
8.00 Abfahrt auf 2256m Höhe von der Sesvenna Hütte in der Sesvenna-Gruppe 11° Aussentemperatur, sonnig Die schlimmste Etappe der Tour liegt vor uns. 132 km und 2700 Höhenmeter sind zu überwinden. Die Abfahrt in den Vinschgau ist traumhaft. Aspahltwege wechseln mit Schotterstrecken und schmalen Waldwegen. Die ersten 20km der Abfahrt sind ein reiner Genuß. Wir kommen gegen 9.30 im malerischen Glurns an, wo wir als erste Gäste im Café Centrale den ersten italienischen Capuccino der Tour genießen. Es folgt eine flache Etappe durch den Vinschgau bis nach Lana. In der heißen Mittagshitze nehmen wir den Ansteig durch das Ultental Richtgung St. Gertraud in Angriff. Ein harter, langer Brocken. Ab St. Gertraud geht’s es weiter Richtung Passo die Rabbi – zunächst Forststrasse, später eine wirklich heftige Schiebe- und Tragepassage. Wir kommen gegen 21.00 auf der Haselgruber Hütte an – die letzten Gäste für diesen Tag.

Tag 5:
8.45 Abfahrt von der Haselgruber Hütte auf 2412m Höhe (Rifugio di Lago Corvo) am RabbiPaß 10° Aussentemperatur, regnerisch Direkt nach der Hütte beginnt ein wunderschöner SingleTrail, der sich am Abgrund entlang schlängelt und dann immer steiler und steiniger wird - alles fahrbar. Wir sind mal wieder happy! Wolfgang beglückt uns mit einem einem Handstand überschlag mit dem Rad an den Füßen - aber der deutsche Polizist als solcher ist hart im nehmen und kann trotz leichterer Blessuren und einem Loch im Knie gleich weiterfahren. Das Rabbital kennen wir noch vom letzten Jahr - wir beschließen daher die Asphalt-Strecke so schnell wie möglich hinter uns zu bringen.Von Male aus geht es nach Tuenno und von da aus auf einem klebrigen und heißen Aspahltstrecke 18km bergauf zum lago di Tovel. Das Wetter wird schlechter und wir machen eine Spaghettipause in einem Ristorante in dem es keine Spaghetti gibt. Uli freut sich besonders über die Qualität des Pappdeckels, den er bestellt hat. Bei trübem Himmel nehmen wir die letzten 1300 HM zum Rifugio Graffer - quer durch die Brenta Gruppe - in Angriff. der Weg wird steiler und Wolfgang mit den dicken Waden tritt seine Kette zu Brei. Von da an geht es nur noch steil bergauf - mit uns aber ziemlich bergab. Es setzt Gewittergrollen und sintflutartiger Regen ein. Der Weg verwandelt sich stellenweise in einen 20 cm tiefen Bach - wir beschließen aber trotzdem weiterzufahren - ein Fehler! Erst nach 30 Minuten erreichen wir ein völlig verranzte Almhütte wo wir die Rettungsdecken auspacken und versuchen unsere nassen Klamotten loszuwerden. Wirklich das letzte Stück Stoff an uns und im Rucksack ist nass und stinkig. Wir können Wolfgang gerade noch davon abhalten den abgestellten Jeep eines Jägers aufzubrechen - er will mit dem Zigarettenazünder ein Feuer entfachen. Es hört etwas auf zu regnen ujnd wir beschließen weiterzugehen. Es liegen noch mehr als 1000 HM vor uns. Angeblich eine gut fahrbare Strecke. Diese Strecke wird jedoch bei leichtem Nieselregen zu einer fast 5 stündigen Schiebepassage durch eine Mondlandschaft in der Brenta Gruppe. Wir verfluchen die Typen, die uns diese Tourenbeschreibung eingebrockt haben. Nach schier endlosen terassenförmigen Anstiegen erreichen wir auf dem letzten Loch pfeifend und bei 4° C Außentemperatur das Rifugio Graffer. Wieder mal 5 Minuten bevor die Küche schließt. Die Nacht verbringe ich in trauter Zweisamkeit mit einem Abwasserohr, das direkt durch mein Bett läuft…

Tag 6:
8.45 Abfahrt auf 2261m Höhe vom Rifugio Graffer in der Brenta Gruppe 2440m Höhe 10° Aussentemperatur, Sonne Der Tag sieht schon wieder besser aus. Sonne und eine tolle Aussicht auf Madonna di Campiglio. Leider hat niemand mehr Lust auf Tragen, schieben oder Höhenmeter. Es wird beschlossen auf dem schnellsten Weg nach Riva zu brettern. Das machen wir dann auch – und erreichen nach einem Höllenritt (der so etwas ähnliches war wie ein Mannschaftszeitfahren) glücklich den Gardasee.

Nach dem ersten Weizen am See sind die Strapazen vergessen und wir sprechen schon vom nächsten Alpencross....Es sollte nicht der einzige bleiben

Roadbook

Von Oberstdorf nach Riva del Garda (400 km, 11.000 Höhenmeter)

1. Etappe - Über die Allgäuer und Lechtaler Alpen (62 km, 2000 Höhenmeter bergauf) Kompass Karten 3,32
Bringsautal – Rappenalpental (Piste 441) – Speicherhütte (441) – Schrofenpass (1687m) – Lechleiten (extrem schwerer Downhill mit Schiebepassagen) – Warth – Lech (Staatsstr. 198) – Zürs – Flexenpass (1774m)- Rauz – Arlbergpass (1793m) – St. Anton – Verwalltal – Konstanzer Hütte, reserviert (0043-5446-2380) √ 24/25 (1700m) – Weizenbier, Spaghetti, Gute Nacht.

2. Etappe - Durchs Verwall ins Paznaun (50 km, 1800 Höhenmeter bergauf)
Kompass Karten 33,41
Konstanzer Hütte - Schönverwalltal – Verbellener Winterjöchli - Neue Heilbronner Hütte (2308m)(Weg 517) – (Ausweichroute bei nichtüberquerbarer Rosanna: Weg 516 am Beginn des Ochsentals über eine etwas versteckte Brücke) – Kops (Bikepiste 517) Achtung! Im Downhillrausch Abzweigung hinter einer Schranke scharf links zum Kopsstausee nicht verpassen! – Zeinnisjochhaus (1845m) – Galtür (Paznauntal Radwanderweg) – Ischgl – Fimbatal –Heidelberger Hütte, reserviert √ 25/26 (0043-5444-5418 oder 5277)(2511m) - Weizenbier, Spaghetti, Gute Nacht.

3. Etappe - Über die Samnaungruppe durchs Inntal ins Val d’Uina (65 km, 2000 Höhenmeter bergauf) Kompass Karten 42
Heidelberger Hütte – Fimberpaß – Hof Zuort –Val Sinestra – Vná - Sur En – Val d´Uina – Uina Dadaint – Sesvenna Hütte, reserviert √ 26/27 (0039-0473-830234 oder 613015) (2300m) - Weizenbier, Spaghetti, Gute Nacht.

4. Etappe - Von der Sesvenna Hütte über Passo di Rabbi zum Haselgruber Hütte (95 km, 2500 Höhenmeter bergauf) Kompass Karten 42, 52, 53
Sesvenna Hütte – Schleis – Glurns - Laatsch – Lana – St. Gertraud – Kirchbergtal – Passo di Rabbi – Haselgruber Hütte reserviert (0039-0463 -985175)√ 27/28 (2180) - Weizenbier, Spaghetti, Gute Nacht.

5. Etappe – Über die Nonsberge zur Brenta-Gruppe (65 km, 1700 Höhenmeter bergauf) Kompass Karten 53, 73
Haselgruber Hütte – Cles – Denno – Lago di Tovel – Flavona – Piste 371!! – 301 – Rifugio Graffer reserviert √28/29 (0039-0465-441358)- Weizenbier, Spaghetti, Gute Nacht.

6. Etappe - Über Madonna di Campiglio zum Gardasee (80 km, 1700 Höhenmeter bergauf)
Rifugio Graffer – Madonna di Campiglio (SS239) – Rif. Cascata di Mezzo (1495m)(auf Piste 375) – Segherie (Piste 379) – Val dÁghola (Piste 324) – Lago di val di Agola (1595m)(Ende der Talstrasse 324) - Passo Bergn de lOrs auch als Baito di Stenico bezeichnet (1836m)(anfangs auf Weg 324 später Pfadspuren über Wiese immmer Richtung Süden trifft man auf Weg 307, etwa 30 min Schieben) – Malga Movlina (1734m)(Piste 333) – Malga Nambi (1374m) – Rif. Ghedina im Val d´Algone (1116) – Stenic (668) – Ponte Arche (400m) – Lomaso (507)(SS421) – Passo del Ballino (763m)(SS421) – Riva del Garda, Vino Rosso, Spaghetti, Wein, Weib und Gesang - Geschafft!

Packliste
Persönliche Ausrüstung: Rucksack 30 Liter, 2x Radhose kurz, 2x Trikot, 2x Radsocken, Helm, Brille, Handschuhe, Handschuhe warm, Radschuhe, Waschzeug, Regenjacke, Regenhose, Windjacke, Vliespulli, Vlieshose, 2 Rettungsdecken Alu, Rückleuchte bzw. Reflektorstreifen, 2x Trinkflasche, Energieriegel, Geld, Pers.Ausweis, Strinband, Mütze, Signalraketen
Uli zusätzlich: Ersatzreifen, Ersatzschläuche, Ersatzspeichen
Eric zusätzlich: Erste Hilfe, Handy, Höhenmesser, Alien Tool, Signalraketen
Wolfgang zusätzlich: Kartenmaterial, Melkfett, Bersteigerseil 30m, Alien Tool.
Micky zusätzlich: Vitamintabletten